Birgit Kreipe und Steffen Popp : Gedichte

Lesung Birgit Kreipe aus „Aire“ :

Lesung Steffen Popp aus „118“ und „Dickicht mit Reden und Augen“ :

Gespräch mit Birgit Kreipe und Steffen Popp :

Birgit Kreipe spürt in ihrem Gedichtband aire  inneren und äußeren Umbrüchen nach – etwa durch Krankheit, Umzug, Verlust.  Sie erkundet, was  solche plötzlichen oder manchmal auch allmählichen Veränderungen bedeuten und welche Sinneseindrücke,  aufkommenden Gefühle, Gedanken- und Erinnerungsspuren und eine dadurch ausgelöste spezifische Unruhe diese Prozesse begleiten. Sie beobachtet, wie sich diese durchlebten Vorgänge in neue Erfahrung verwandeln. Das verDICHTEN dieser Umbruchszenarien in Worte sind faszinierende Expeditionen in instabiles Terrain. Dabei bezieht sich Birgit Kreipe auf ähnliche Unternehmungen aus der Fotografie (Francesca Woodman) und Malerei (Gerhard Richter), auf die erfahrungserweiternde und transformierende Kraft der Kunst. Wie sie ebenso Erfahrungen aus Psychoanalyse, Neuropsychologie und Meditationsforschung in ihre Gedichte einfliessen läßt. 

„Freud war … davon überzeugt, dass die Erinnerung sich wieder zu einem Ganzen kitten lässt. Birgit Kreipe verneint eben dies und spielt so bewusst wie kreativ damit, dass aus der Evokation des Verdrängten etwas Neues, eine eigene Sprache entsteht.“ (Claudia Kramatschek, DLF Kultur)

„Diese Dichterin schenkt uns in ihren Gedichten und poetischen Metamorphosen Innensichten eines erweiterten Bewusstseins und verblüffende Erleuchtungen…“ (Michael Braun, Signaturen Magazin)

„Wie sie aus Richters Farbflächen psychische Landschaften herausarbeitet, ist eine Kunst für sich. In ihren Rhythmen überlagern sich die Unruhe dieser pandemischen Zeit, Traumbilder und sprachliche „glutnester“ zu einem „allerorts brennenden mai“.“ (Nico Bleutge, Deutschlandfunk Kultur)

Steffen Popps Gedichtband 118 lehnt sich an das Periodensystem der Elemente an, das 2016 bereits exakt 118 nachgewiesene chemische Elemente enthielt. Dieser streng-schönen Ordnung stellt Steffen Popp in seinen Gedichten eine verworrene Weltvielfalt von Gegenständen und Lebewesen, Phänomenen und Prozessen gegenüber. Wie läßt sich diese Vielfalt überhaupt bestimmen und vermitteln? Die dichterische  Sprache, ihr biegsames, lebendiges Vokabular spiegelt und bündelt diese Welt. Ziel und Spiel des Gedichtbandes von Steffen Popp ist es, eine Auswahl dieser Gegenstände poetisch zu fassen – von Salz bis Esprit, von Monster bis Flaum, von Parallelerde bis Kresse und Zeug. Es ist sein poetisches Periodensystem und sein Inventar wird sich nie abschliessen lassen, es muss dementsprechend Fragment bleiben. Jeder Gegenstand verweist auf andere, die nicht aufgenommen wurden, und kann selbst im Gedicht nur von einigen Seiten angespielt werden…

„Mit Lust probiert sich hier die Sprache semantisch, rhythmisch, metrisch aus. Bedeutungen werden gesetzt und durchkreuzt  … Und oft geht es lustig zu in diesen Gedichten, die um ihre Leuchtkraft wissen…“ (Beate Tröger, Der Freitag)

„Seine Poesie hat ihre redegewandte, ebenso anmutige wie raffinierte Lebensform gefunden.“  (Christian Metz, FAZ)

„Bei Popp (…) werden alle äußerlichen Erwartungshaltungen schlicht und einfach weggespült, wenn sich das Leserhirn Synapse für Synapse auf seine ganz und gar unschematischen Versuche des Dichtens einrichtet.“ (Florian Kessler, DIE ZEIT)

 

BIRGIT KREIPE geboren 1964 in Hildesheim, lebt in Berlin. Studium der Psychologie und Germanistik. Sie arbeitet als Psychotherapeutin, Autorin und Übersetzerin und unterrichtet Lyrik am Haus für Poesie in Berlin . 2012 erschien ihr Gedichtband schönheitsfarm beim Verlagshaus Berlin, 2016 ihr Gedichtband SOMA und 2021 ihr Gedichtband aire bei kookbooks. Neben verschiedenen Lyrikpreisen erhielt sie als jüngste Auszeichnung ein Stipendium der Deutschen Akademie Rom/ Casa Baldi. Birgit Kreipe lebt in Berlin.

Foto: Renate von Mangold

STEFFEN POPP, geboren 1978 in Greifswald, lebt in Berlin. Studium der Philosophie und Germanistik in Dresden, Leipzig und Berlin. Er veröffentlichte bei kookbooks die Gedichtbände Wie Alpen (2004), Kolonie Zur Sonne (2008) und Dickicht mit Reden und Augen (2013) sowie den Roman Ohrenberg oder der Weg dorthin (2006), der für den Deutschen Buchpreis nominiert wurde. Steffen Popp übersetzte die US-amerikanischen Dichter Christian Hawkey (Reisen in Ziegengeschwindigkeit) und Ben Lerner (Die Lichtenbergfiguren, Mean Free Path) und ist Initiator und Mitherausgeber der kollaborativen Poetik Helm aus Phlox. Zur Theorie des schlechtesten Werkzeugs (Merve  2011) sowie Herausgeber von Joseph Beuys: Mysterien für alle (Suhrkamp 2015). Letzte Auszeichnungen: Peter Huchel-Preis 2014, Romstipendium der Villa Massimo 2015, Mondseeer Lyrikpreis 2015.

 

 

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