13. Januar – 19 Uhr | Manuela Reichart stellt vor : Willa Cather (1873-1947)

Die amerikanische Autorin Willa Cather hätte im Dezember 2023 ihren 150. Geburtstag gefeiert. Sie gilt als eine der großen amerikanischen Autorinnen und Chronistin der nordamerikanischen Pioniergeschichte. Truman Capote – »Willa Cather liebe ich regelrecht« – bezeichnete ihre Romane als „vollkommene Kunstwerke“. Sie erzählt vom amerikanischen Traum: jenem der Siedler und insbesondere ihrer Frauen. „Ihre Heldinnen und Helden zieht es nicht in die großen Städte, sondern in die weite Prärie. In rauen Gefilden, am Rande der Zivilisation müssen sie sich bewähren und ihr Glück finden, was nicht oft gelingt. Nebenbei kritisiert die Autorin den Materialismus ihrer Zeit und vermag obskure finanzielle Transaktionen zu schildern, als trügen sie sich heute zu.“ (Österreichischer Rundfunk).

„Sapphira und das Sklavenmädchen“, Cathers letzter Roman und heute ein Klassiker der amerikanischen Literatur, ist das eindrückliche Porträt der Südstaaten am Vorabend des Bürgerkriegs. Dieser dramatische Familienroman um Freiheit und Sklaverei kann in einem Atemzug mit Margaret Mitchells »Vom Winde verweht« genannt werden.
Auf dem Anwesen des Müllers Colbert arbeiten 1856 zahlreiche Sklaven. Während Colbert eigentlich die Sklaverei ablehnt, stemmt sich seine Frau mit allen Mitteln gegen die neue Zeit. Die aus einer begüterten Familie stammende Sapphira betrachtet Sklaven als Statussymbol. Doch statt die Jahrhundertfrage Sklaverei zum Ausgang auch eines familiären Bürgerkriegs zu nehmen, erzählt Willa Cather die „Geschichte einer Verhandlungslösung… Allerdings geht es dabei weniger um die Geheimnisse einer listigen Diplomatie, sondern um die Herzens- und Charaktergröße aller Beteiligten.“ (Deutschlandfunk)

Die Moderatorin, Herausgeberin und Autorin Manuela Reichart stellt Willa Cather vor. Sie schrieb nicht nur das Nachwort zu Cathers Roman „Sapphira und das Sklavenmädchen“, sondern auch zahlreiche Rundfunksendungen zu Cather, u.a. „50 Cent für einen Dollar“ (WDR/ SRF und ORF 2023).
Willa Cather „ist eine moderne Erzählerin, eine Meisterin der Fiktion. Ins Zentrum ihres literarischen Kosmos stellt sie starke Frauenfiguren, die begabt sind und freiheitsliebend«, schreibt Manuela Reichart in ihrem Nachwort.

«Ohne Cather wären Truman Capote und E. Annie Proulx kaum denkbar.» (Literarische Welt)

 

Porträt Willa Cather. Fotografiert von Carl Van Vechten im Januar 1936

WILLA CATHER (Wilella Sibert Cather), geboren 7. Dezember 1873 in Back Creek Valley bei Winchester/ Virginia, gestorben am 24. April 1947 in New York City. Als Achtjährige übersiedelte Willa Cather mit ihren Eltern von Virginia nach Nebraska, wo sie mit der unermesslichen Prärie, aber auch mit den dortigen Einwanderern aus der Alten Welt Bekanntschaft schloss. Diese Erfahrungen eines Neben- und Miteinander verschiedener Ethnien, Religionen und Kulturen prägten sie tief. Obwohl sie als Lehrerin, Redakteurin und später als erfolgreiche Schriftstellerin vor allem in New York lebte, spielen ihre Werke meist in der heroischen Weite der Prärie des amerikanischen Westens und Südwestens, der sie so ein literarisches Denkmal gesetzt hat. Willa Cather erhielt 1923 den Pulitzer-Preis und gilt als eine der großen amerikanischen Erzählerinnen.
Auf Deutsch erschienen u.a. „Der verwunschene Fels und andere Erzählungen“ (Aus dem Amerikanischen von Agnes Krup. Die andere Bibliothek 2023), „Sapphira und das Sklavenmädchen“ (Roman. Aus dem Amerikanischen von Elisabeth Schnack. Mit einem Nachwort von Manuela Reichart. Knaus Verlag 2010) und „Lucy Gayheart“ (Roman. Übersetzt von Elisabeth Schnack, mit einem Nachwort von Alexa Hennig von Lange. Manesse, Neuausgabe 2023)

 

MANUELA REICHART ist Radioautorin, Radiomoderatorin, Filmemacherin und Herausgeberin. Veröffentlichungen u.a. „Schon wieder Verspätung. Reisebekanntschaften“ (Dörlemann 2015), „Beziehungsweise“ (Dörlemann 2017). Sie lebt und arbeitet in Berlin und in der Uckermark.

 

 

 

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