„Augenblicklicht“ ist der wunderbar passende Titel des druckfrischen Buches von Nanne Meyer. Er enthält eine Auswahl von Gedichten und Texten, die sie über fast fünzig Jahren hinweg in zahlreiche Hefte und Notizblöcke schrieb.
Nanne Meyer ist Zeichnerin, und als solche besonders interessiert an den Augenblicken des Hinschauens und dem Licht des Erkennens, ergo der Erkenntnis. In ihren Zeichnungen und Collagen geht es um das Fragile, leicht Übersehene, Vergängliche und Randständige. Dabei sucht sie besonders die Übergänge und Hintergründe, die alles mit allem verbinden. Mit ihrem klugem Humor zeichnet sie ganze Geschichten auf diverse Papierarten und -formate, wie z.B. auch auf alte Landkarten. Ihre Werke wurden in zahlreichen Ausstellungen gezeigt, aktuell sind sie in der großen Einzelausstellung „Gezieltes Umherirren“ in der Orangerie der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe zu sehen.
Was dieser Band nun unerwarteterweise offenbart: Nanne Meyer ist ebenso eine begnadete Texterin. Eigenwillig, mit nimmermüdem Spürsinn und gewitzter Wachheit fragt sie, kritisiert sie, philosophiert sie. Ihre Gedichte und Notizen lesen sich wie eine unermüdliche Zwiesprache mit der Welt. Warum sie nicht nur zeichne, sondern auch schreibe? Sie ist fasziniert von der Magie einzelner Worte, die sie anziehen und mit denen das Schreiben beginnt. »Es gibt Worte, die eine Magie auf mich ausüben, es ist wie ein Sog, dem ich mich nicht entziehen kann. Die Wirkung solcher Worte sind nicht vorhersehbar. Sie lassen sich zunächst nichts anmerken, sind nichts Besonderes, haben keine außergewöhnlichen Merkmale und entfalten ihre Wirkung immer erst durch die Nachbarschaften, in denen sie wohnen. Wird so ein Wort plötzlich aktiv, überstrahlt es den gesamten Text. Wie bei einer Überbelichtung werden alle anderen Worte im gleißenden Licht unsichtbar und verdorren, unabhängig davon, ob ich lese oder zuhöre.«
Foto: André Smits
NANNE MEYER, 1953 in Hamburg geboren, konzentrierte sich bereits während ihres Studiums an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg auf das Zeichnen und die Verhältnisse von Sprache und Bild. Sie erhielt zahlreiche Stipendien und Auszeichnungen, u.a. 1982/83 ein DAAD-Stipendium in London, 1986/87 das Villa Massimo Stipendium in Rom und 1996 das Arbeitsstipendium der Djerassi-Artist-Foundation in Woodside/Kalifornien USA. 2013 wurde sie mit dem Künstlerinnenpreis NRW für Zeichnung und 2014 mit dem Hannah Höch Preis für bildende Kunst des Landes Berlin ausgezeichnet. Von 1994 bis 2016 war sie Professorin an der weißensee kunsthochschule berlin. „Augenblicklicht. Gedichte & Texte 1980–2025“ ist erschieden in der Friedenauer Presse / Matthes & Seitz Berlin.
Vorab außer Haus : Freitag (19.6.) ab 18 Uhr Warmlaufen in Huguenin´s PUB Warnitz F u ß b a l l W M S p e z i a l e (Eis Bahn Hof E. Huguenin, Lindenallee 27, 17291 Warnitz)
Samstag (20.6.) 17 Uhr! ! ! L I T E R A R I S C H E F U S S B A L L W E L T M E I S T E R S C H A F T Helmut Böttiger,bekannter Autor von Büchern zu Peter Weiss, Ingeborg Bachmann, Paul Celan oder der Gruppe 47 und Literaturkritiker hat in seiner Eigenschaft als Mitglied der Deutschen Akademie für Fußball-Kultur und als bekennender Fußballfan auch mehrere speziell dem Fußball gewidmete Bücher geschrieben: „Schlußball. Die Deutschen und ihr Lieblingssport“, „Kein Mann, kein Schuss, kein Tor. Das Drama des deutschen Fußballs“ und „Günter Netzer – Manager und Rebell. Autorisierte Biographie“. Er wird an diesem Abend, thematisch völlig passend zur Fußballweltmeisterschaft, aus diesen Büchern lesen. Anschließend gibt es ein Gespräch zwischen ihm und Jörg Schieke, den er sich zur Verstärkung in seine Lesemannschaft geholt hat. Jörg Schieke ist sowohl Autor von Lyrikbänden und Prosa, Rundfunkmoderator als auch Innenverteidiger der deutschen Autorennationalmannschaft. Er berichtet von der Idee dieser speziellen Fußballmannschaft, die international gegen andere Autoren-Fußballteams antritt. Und er liest ebenfalls aus eigenen Texten zum Fußball. „20. Juni 2026 | BEREITS 17 Uhr : Literarische Fussballweltmeisterschaft“ weiterlesen
Angela Winkler gehört zu den großen Theater- und Film-Schauspielerinnen unserer Zeit. Durch Rollen in den Volker-Schlöndorff-Filmen »Die verlorene Ehre der Katharina Blum« und »Die Blechtrommel« wurde sie in den 1970er-Jahren zu einem nationalen wie internationalen Star. Doch ihre Liebe galt und gilt dem Theater. Von Kritikern und Publikum gleichermaßen gefeiert, arbeitete sie mit berühmten Regisseuren wie Peter Zadek, Klaus-Michael Grüber, Luc Bondy oder Robert Wilson zusammen. Besonderen Eindruck hinterließ ihr „Hamlet“ in der furiosen Inszenierung Peter Zadeks 1999 an der Berliner Schaubühne, der Hamlet mit einer Frau besetzte. Weitere Mitspieler waren damals Eva Mattes, Otto Sander und Ulrich Wildgruber. „9. Mai 2026 | 19 Uhr : Angela Winkler – Mein blaues Zimmer. Autobiographische Skizzen“ weiterlesen
Dass der äthiopische Kaiser Theodoros im Jahr 1855 gekrönt wurde und sich dreizehn Jahre später angesichts der drohenden Gefangennahme durch die britische Kolonialmacht erschoss, ist historisch belegt. Doch der immense Rest des Romans besteht aus Mircea Cărtărescus Phantasie. Sein Buch erzählt von einer Welt voller Edelsteine, Schleier und Waffen. Und das alles in der faszinierend bunten Bildprache des orthodoxen Christentums: „Die Handlung wird von oben betrachtet, von den Erzengeln. Sie erzählen die Geschichte dieses Theodoros für das Jüngste Gericht. Dann wird Gott als der große Leser entscheiden, ob Theodoros zur Hölle fährt oder in den Himmel kommt.“ Hier, bei Cărtărescu, hat das Jüngste Gericht natürlich ein konkretes Datum, es findet
Andreas Rötzer, Verleger des renommierten Verlages Matthes & Seitz Berlin, wird wie traditionell in jedem Buchmessefrühling neue und aufregende Bücher aus seinem Programm vorstellen, darunter Romane, Lyrik und Sachbücher zu aktuellen Themen sowie Neuerscheinungen aus den speziellen Reihen des Verlages. Letztere reichen von A wie Asiathek über Batterien, Dichtung, Dritte Natur, Französische Bibliothek, Fröhliche Wissenschaft, Paperback, Naturkunden, punctum, Rhinozeros und Theologische Brocken bis Z wie Zeugnisse & Dokumente.
Und natürlich wird es auch einen Büchertisch geben.
Im Jahr 2002 rückte ein Mord das uckermärkische Dorf Potzlow in die Schlagzeilen der internationalen Presse. Daraufhin recherchierte der Regisseur und Autor Andres Veiel über Monate in Potzlow, sprach mit den Tätern, Dorfbewohnern sowie Angehörigen von Opfer und Tätern. Die Ergebnisse sind auf 1500 Seiten Gesprächsprotokoll festgehalten. Veiel studierten im Weiteren Akten, Verhörprotokolle, Anklage, Plädoyers und Urteil des Gerichtsprozesses. Aus den Ergebnissen dieser siebenmonatigen Recherchen entstanden ein Dokumentarfilm, ein Theaterstück und ein Buch, das an diesem Abend von Andres Veiel vorgestellt wird. „Der Kick“ ist eine beklemmende Fallstudie über eine entwurzelte Jugend, Rechtsradikalismus, deutsche Traumata und Gewalttraditionen.