9. Mai 2026 | 19 Uhr : Angela Winkler – Mein blaues Zimmer. Autobiographische Skizzen

Angela Winkler gehört zu den großen Theater- und Film-Schauspielerinnen unserer Zeit. Durch Rollen in den Volker-Schlöndorff-Filmen »Die verlorene Ehre der Katharina Blum« und »Die Blechtrommel« wurde sie in den 1970er-Jahren zu einem nationalen wie internationalen Star. Doch ihre Liebe galt und gilt dem Theater. Von Kritikern und Publikum gleichermaßen gefeiert, arbeitete sie mit berühmten Regisseuren wie Peter Zadek, Klaus-Michael Grüber, Luc Bondy oder Robert Wilson zusammen. Besonderen Eindruck hinterließ ihr „Hamlet“ in der furiosen Inszenierung Peter Zadeks 1999 an der Berliner Schaubühne, der Hamlet mit einer Frau besetzte. Weitere Mitspieler waren damals Eva Mattes, Otto Sander und Ulrich Wildgruber.In ihren autobiografischen Skizzen »Mein blaues Zimmer« erzählt sie warmherzig und offen von all den Dramen, die im Leben plötzlich eintreten: den verpassten Augenblicken, Möglichkeiten und Unglücken ebenso wie von den Glücksmomenten, Erfolgen und prägenden Begegnungen. Geboren wurde Angela Winkler in der Uckermark, in Templin. Die Familie floh nach Hamburg, später zog sie nach Erlangen. Ihre Mutter war musisch begabt, der Vater Amtsarzt und gegen den Schauspielunterricht seiner Tochter. Angela Winkler erinnert sich an ihre Anfänge als Schauspielerin am legendären Theater in Castrop-Rauxel und beim Neuen Deutschen Film, an die vielen fast verfallenen Häuser in Italien und Frankreich, die sie gemeinsam mit ihrem Mann, dem Bildhauer Wiegand Wittig, umgebaut und zum Leben erweckt hat. „Alle sieben Jahre sind wir umgezogen, haben zusammen alte, verfallene Häuser aufgebaut, und kaum waren sie fertig, sind wir weitergezogen.“ Wir begleiten Angela Winkler auf der Bühne und vor der Kamera – wie auch bei ihren kleinen und großen Fluchten aus dem Theaterbetrieb. Einfühlsam, auf ihre ganz eigene Art, erzählt sie von ihrer Familie, ihrer Mutter, die über 100 Jahre alt wurde, von der Geburt ihrer vier Kinder und nicht zuletzt vom Altsein als Künstlerin. „Wenn ich auf meine Arbeiten, meine Rollen zurückschaue, bleibt mir vom Leben in dieser Zeit viel mehr in Erinnerung, wo und wie wir in der Zeit lebten, wie groß die Kinder waren, welches Haus, welcher Garten…“
Das 240 Seiten starke Buch enthält keine Memoiren im engeren Sinn, sondern mithilfe der Dramaturgin Brigitte Landes sensibel zusammengestellte autobiographische Skizzen, darunter Zitate aus Schulheften, in denen Angela Winkler seit vielen Jahren tagebuchartig reflektiert. Wir erfahren aus diesem Buch: Angela Winkler ist eine außergewöhnliche Frau, die mit eigenem Kopf durch die Welt geht und allem so viel Eigenwilligkeit wie möglich entgegensetzt.

„Das Bodenständige, das Häuslich-Praktische, das Bauen und Gärtnern ‚ohne Arbeitshandschuhe‘ als den Kopf, das Herz und die Seele frei machender Kontrast zum Geistigen. Und dann mit Auto oder Flugzeug von der Scholle direkt ins Schauspielhaus der großen Stadt, wie auch immer die heißt. ‑ ‚Ich brauche den frischen Wind, um im Theater zu arbeiten. Bin kein Stadtmensch und komme bloß nach Berlin, wenn ich hier arbeite. Seit ich Kinder habe, haben wir auf dem Land gelebt‘ – in Ligurien, in der Auvergne, Bretagne oder auf Krautsand, einer Insel in der Elbe.“ (taz)

„Dieses Buch ist ein Geschenk – neugierig und diskret, sinnlich und beredt, von generöser Art und mit dem Charme sinnlicher Lebensfreude erfüllt.“
(Irene Bazinger, FAZ)

Foto: Joachim Gern

ANGELA WINKLER, geboren 1944 in Templin. Ausbildung als Medizinisch-technische Assistentin in Stuttgart. Schauspielunterricht bei Ernst Fritz Fürbringer in München. Engagements u. a. an der Freien Volksbühne Berlin. Große Filmerfolge u. a. mit »Die verlorene Ehre der Katharina Blum« (1975) und »Die Blechtrommel« (1979, Regie jeweils Volker Schlöndorff). Von 1986 an wieder verstärkt Arbeiten am Theater, vor allem mit Peter Zadek, u. a. am Burgtheater Wien und am Berliner Ensemble. Weiterhin Rollen in Kino und TV. Preise: Deutscher Kritikerpreis 1975, Deutscher Filmpreis 1976, Schauspielerin des Jahres 1999 (Theater heute), Gertrud-Eysoldt-Ring 2001, Auszeichnung der Deutschen Akademie für Fernsehen 2015, Deutscher Schauspielpreis 2019, Independent Spirit Award 2019 u. v. m. Mitglied der Akademie der Künste, Berlin. 2011 veröffentlichte sie ihr Chanson-Debütalbum Ich liebe dich, kann ich nicht sagen, 2009 erschien ihr Buch Mein blaues Zimmer. Autobiografische Skizzen. Angela Winkler lebt in Berlin und Frankreich.

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