ABGESAGT: 28. März 2020 – 19 Uhr | 2. Buchmessenachlese mit dem Verlag Matthes & Seitz Berlin

Die Leipziger Buchmesse 2020 wurde wegen virulenter Zustände abgesagt. Nun müssen wir leider den Ausblick auf empfehlenswerte literarische Novitäten der Frühjahrssaison ebenfalls absagen.

Stärken Sie Ihr Immunsystem mit guten Büchern!
Schauen Sie auf die Homepage des Verlages Matthes & Seitz Berlin wie auch anderer Verlage und bestellen Sie Bücher Ihrer Wahl einfach zu sich nach Hause.

Andreas Rötzer (Verleger) und Meike Rötzer (Lektorin und Schauspielerin) hätten an diesem Abend vorgestellt:

 

 

 

 

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25. April 2020 – 19 Uhr | Andreas Hoppe (Tatortkommissar Mario Kopper): Die Hoffnung und der Wolf – Wollen wir mit unseren neuen Nachbarn leben?

Andreas Hoppe ist fasziniert von Wölfen – seit über 20 Jahren. Wie alles begann und worauf sein Engagement für Natur, Umwelt und die Wölfe fußt, beschreibt der Ex-Tatort-Kommissar in diesem autobiografischen Buch. Hoppe nimmt uns mit, in die Wildnis Kanadas und Rumäniens, den Bayerischen Wald und die Weiten Brandenburgs. Er trifft Menschen, die freilebenden Wölfen aus unterschiedlichen Perspektiven begegnen – vom Staatssekretär über den Herdenschutzbeauftragten bis zum Wildtierfotografen und Weidetierhalter. Sie alle stellen sich der Frage nach dem Miteinander von Mensch und Wolf.

ANDREAS HOPPE kennt man vor allem als Tatort-Komissar Mario Kopper. Zweiundzwanzig Jahre lang verkörperte er den  Ludwigshafener Kommissar mit sizilianischen Wurzeln. Parallel spielte er „25. April 2020 – 19 Uhr | Andreas Hoppe (Tatortkommissar Mario Kopper): Die Hoffnung und der Wolf – Wollen wir mit unseren neuen Nachbarn leben?“ weiterlesen

9. Mai 2020 – 19 Uhr | Gertraude Krueger: Julian Barnes vorgestellt

Die Übersetzerin Gertraude Krueger stellt den englischen Autor Julian Barnes vor, von dem sie fast zwanzig Bücher in fast vierzig Jahren übersetzte,  und gibt Einblicke in ihre Arbeit als Vermittlerin zwischen zwei Sprachen.
Julian Barnes ist einer der wichtigsten zeitgenössischen englischen Autoren. 1980 veröffentlichte er mit „Metroland“ seinen ersten Roman. Der Roman ist in drei Teile gegliedert, ein wiederkehrendes Strukturelement in Barnes` Werken. Mit „Flauberts Papagei“, seinem dritten Roman, gelang Barnes 1984 der internationale Durchbruch, mit diesem Titel stand er zum ersten Mal auf der Shortlist des Man Booker Prize, den er 2011 für „Vom Ende einer Geschichte“ erhielt. Neben seinen Romanen verfasste Barnes zahlreiche Essays und Kurzgeschichten, unter dem Pseudonym Dan Kavanagh veröffentlichte er eine Reihe von Kriminalromanen.
Für seine Bücher wurde er mit zahlreichen europäischen und amerikanischen Literaturpreisen ausgezeichnet.
Die jüngsten seiner ins Deutsche übersetzten Bücher sind  „Der Lärm der Zeit“ (2018), „Die einzige Geschichte“ (2019), „Kunst sehen“ 2020) – natürlich sämtlich übertragen von Gertraude Krueger.

JULIAN BARNES, geboren 1946 in Leicester, England., wuchs in London und Northwood auf. Bis 1968 „9. Mai 2020 – 19 Uhr | Gertraude Krueger: Julian Barnes vorgestellt“ weiterlesen

13. Juni 2020 – 19 Uhr | Karl Schlögel: Der Duft der Imperien

Kann ein Duft Geschichte aufbewahren? Zwei Parfums liefern Karl Schlögel den Stoff, die europäischen Abgründe des 20. Jahrhunderts neu zu erzählen. Durch die Turbulenzen der Revolution gelangte die Formel für einen Duft, der zum 300. Kronjubiläum der Romanows kreiert worden war, nach Frankreich. Er lieferte die Grundlage für Coco Chanels Nº 5 und für sein sowjetisches Pendant Rotes Moskau, das bis heute unter diesem Namen produziert wird. Verantwortlich für die Parfümindustrie war Polina Schemtschuschina, die Frau des Außenministers Molotow. Sie fiel später einer Säuberungskampagne zum Opfer — und Coco Chanel kollaborierte mit den deutschen Besatzern. Ein unscheinbarer Zufall führt Karl Schlögel zu „13. Juni 2020 – 19 Uhr | Karl Schlögel: Der Duft der Imperien“ weiterlesen

18. Juli 2020 – 19 Uhr | Maike Albath : Trauer und Licht. Lampedusa, Sciascia, Camilleri und die Literatur Siziliens

Sizilien, die magische Insel, ihre Literatur, ihre ­brodelnde politische Gegenwart – all das wird zum Thema in diesem dritten großen Italienbuch von Maike Albath, die mit Land, Literatur und Bewohnern vertraut ist wie nur wenige. Der Horizont reicht von Lampedusas Leopard, mit dem die Insel die Bühne der Weltliteratur betritt, über Leonardo Sciascia bis zu Andrea Camilleri und seinen international erfolgreichen Montalbano-Krimis. Ein verführerischer Streifzug durch die Geschichte, durch Landschaften und die Straßen von Palermo und Catania, wo sich bis heute eine kulturelle und literarische Vielfalt erhalten hat, die einmalig ist in Europa.

»Entstanden ist so ein runder Band, reich, elegant geschrieben, eine sinnvolle Kombination aus kanonischem Wissen und eigenen Recherchen, aus Reflexion und Anekdote.« (Frankfurter Allgemeine Zeitung)

»Ein schöneres, sizilianischeres Buch über Sizilien gab es seit langem nicht.« (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung)

»Ein wunderbares Buch über das Sehnsuchtsland der Deutschen.« (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung)

MAIKE ALBATH, geboren 1966 in Braunschweig, lebt in Berlin. Sie hat mehrere Jahre in Italien verbracht und ist eine der profiliertesten Kennerinnen der italienischen Gegenwartskultur. Für ihre Arbeit als Literaturkritikerin erhielt sie 2003 den Alfred-Kerr-Preis.

22. August 2020 – 19 Uhr | Thomas Lehr: Frühling

Neununddreißig Sekunden, die ein Ende bedeuten, das Ende eines Lebens. Zwei Brüder, Robert und Christian Rauch, die zu verstehen beginnen, was früher geschehen ist. Vor der Terrasse der Familie stand plötzlich ein Mann: „Appell, Herr Doktor, Appell!“ – sein Ruf weckt die Vergangenheit des Vaters als Arzt in Dachau und lässt einen Prozess beginnen, der erst viele Jahre später endet…

„Thomas Lehr hat eine eigene Form dafür gefunden, die Hölle zu beschreiben.“
Er analysiert in atemberaubender Sprache und unerhörter Dichte „die großen, epochalen Themen des abgelaufenen Jahrhunderts, die in dieser Novelle eine neue, ungeahnte Form annehmen“
(Helmut Böttiger, Die Zeit).
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1. Februar 2020 – 19 Uhr | Simon Strauß: Römische Tage

Ein junger Mann kommt in die ewige Stadt, um die Gegenwart abzuschütteln. Er sucht einen eigenen Weg, fühlt fremde Zeiten in sich leben. In Rom erinnert er sich. In Rom verliebt er sich. In Rom trauert er. Er trifft auf außergewöhnliche Menschen und findet seine Aufgabe: Alles wahrnehmen, nichts auslassen. Römische Tage führt zu den vielen Anfängen und Enden unserer Welt und fragt, was wir morgen daraus machen.

Dass er über seine Zeit in Rom schreiben würde, sei ihm vom ersten Tag an klar gewesen, sagt Simon Strauß in einem Gespräch für den Tagesspielgel. Interviewer Gerrit Bartels schreibt weiter: „Es habe aber nicht gleich im Zusammenhang gestanden  mit der langen Reihe seiner schreibenden Vorfahren von Goethe, klar, über Ingeborg Bachmann bis Rolf Dieter Brinkmann. Er hatte immer einmal einen Sommer in Rom verbringen wollen, und zwar mit einem sehr guten, aus Frankreich stammenden Freund, den er während seines Geschichtsstudiums kennengelernt hatte. Der Freund starb vor zwei Jahren an Krebs, er war in Strauß’ Alter.“ Für Simon Strauß war es damals das erste Mal, dass er mit dem Tod direkt in Berührung kam. Auf seiner Rom-Reise wollte er festhalten, was sein „1. Februar 2020 – 19 Uhr | Simon Strauß: Römische Tage“ weiterlesen

11. Januar 2020 – 19 Uhr | Jan Wagner: Die Eulenhasser in den Hallenhäusern

© Villa Massimo/Alberto Novelli

Jan Wagner bringt zu seiner Lesung einen abendfüllenden Vorrat an Gedichten und Prosa mit: Auftreten werden nicht nur Eduard Friedrich Mörike und ein alter Biker, sondern auch Giersch, ein irischer Pub, drei Verborgene, englische Getränke, Flughäfen, französischer Käse und sogar ein einzelner Teebeutel.

„Jan Wagners Gedichte verbinden spielerische Sprachfreude und meisterhafte Formbeherrschung, musikalische Sinnlichkeit und intellektuelle Prägnanz. Entstanden im Dialog mit großen lyrischen Traditionen, sind sie doch ganz und gar gegenwärtig. Aus neugierigen, sensiblen Erkundungen des Kleinen und Einzelnen, mit einem Gespür für untergründige Zusammenhänge und mit einer unerschöpflichen Phantasie lassen sie Augenblicke entstehen, in denen sich die Welt zeigt, als sähe man sie zum ersten Mal.“ Mit dieser Begründung hatte die Jury Jan Wagner 2017 den wichtigsten deutschen Literaturpreis, den Georg-Büchner-Preis, zuerkannt.

Aufgewachsen ist Jan Wagner zwischen Stadt und Land im Süden Schleswig-Holsteins. Von daher rührt seine enge Verbindung zu Gärten und Natur. „Der alte Pflaumenbaum, der hat für mich eine Magie. Oder der knorrige Apfelbaum vorm Küchenfenster: Wenn der umfällt und abgeholzt wird, vermisst man ihn schmerzlich. Auch die Regentonne, der das Titel-Gedicht in meinem Buch ‚Regentonnenvariationen‘ gewidmet ist, verbinde ich mit der Kindheit… Es gibt viele Autoren, die in der Kindheit ihr Bildreservoir sehen, was man da erlebt und an Eindrücken bekommt, das bleibt ein Leben lang. All das schlummert lange in einem, und irgendwann kommt es raus. Wenn es reif genug ist, dass man darüber schreiben kann und muss.“

Zahlreiche Gedicht- und Essaybände sind seit den ersten Gartenerlebnissen entstanden, viele Gedichte Jan Wagners umkreisen die Erfahrungen mit der Natur. Nahezu berühmt ist „Giersch“, „11. Januar 2020 – 19 Uhr | Jan Wagner: Die Eulenhasser in den Hallenhäusern“ weiterlesen

7. Dezember 2019 – 19 Uhr | Klaus-Jürgen Liedtke: Nachkrieg + Volker Koepp: Wiederkehr

Nachkrieg und die Trümmer von Ostpreußen. Roman aus Dokumenten

Krieg, Flucht, Vertreibung, Ostpreußen und Westdeutschland – „Nachkrieg“ ist ein anderes „Echolot“ deutscher Geschichte. „Nachkrieg“ ist ein Roman, der sich aus den Resten einer untergegangenen Welt, eines Dorfes, einer Landschaft zusammensetzt, gefunden von einem Stimmensammler auf verschlungenen Spuren, einem Protokollanten des Vergangenen. Aus Tagebuchaufzeichnungen zweier Onkel, die bei Kriegsende umkamen, aus Briefen, Erzählungen, Reisenotizen und essayistischen Reflexionen setzt Klaus-Jürgen Liedtke dieses detailgenaue Panorama zusammen.

„Der erste Satz dieses bemerkenswert unordentlichen Buches: ‚Ich komme aus diesen Trümmern.‘ Es sind nicht nur die Trümmer Ostpreußens … Es sind die Trümmer der Erinnerung und Erzählungen, die zwar einen ‚Chor der Stimmen‘ bilden, nie aber einen harmonischen, gleichklingenden. Die Trümmermusik, die bleibt, so zitiert dieses Buch die Dichterin Herta Müller, ist ‚eine Musik der Trostlosigkeit, die Halt gibt auf schmalstem Grat‘. … Ob es für ihn so etwas wie Heimat überhaupt gebe, wird Liedtke einmal gefragt: ‚Ich denke, eher nicht. Aber so etwas wie Identität, wie Zugehörigkeit.‘ Diese jedoch gibt es nicht als Besitz, sondern in Trümmern.“ (Berliner Zeitung)

Es ist ein Buch über „die ‚Ortlosigkeit“ einer globalen Welt, und es weiß dabei um den schmalen politischen Grat, auf den es sich begibt. (…) Allein die Namen der Ortschaften (Kermuschienen, Riesenkirch, Beynuhnen) erzeugen einen Sog, wie bei Johannes Bobrowski, auch einem Ostpreußen. Und mit den erzählten Personen (Fritz von Farenheid, Otto Krüger, Alfred und Helmut Steinke) geht man als Leser zusehends eine eigene Verwandtschaft ein. Die Literatur als Heimat, davon handelt dieses Buch.“ (Frankfurter Rundschau)

Wiederkehr
(Dokumentarfilm/ 2017/ 70 Minuten)
 

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16. November 2019 – 19 Uhr | Kein Mangel an Beweisen. Lesung und Gespräch mit Urs Allemann und Michael Braun

Michael Braun / Foto: Benjamin Stollenberg
Urs Allemann / Foto: Dirk Skiba

Was Sie immer schon über Lyrik wissen wollten, sich aber nie zu fragen getrauten? An diesem Abend dürfen Sie es tun! Zwei renommierte Kenner des Metiers antworten in Vers und Gespräch. Der Dichter Urs Allemann wird aus neuen Texten lesen und – gemeinsam mit Michael Braun – aus der von Braun 2018 edierten Lyrik-Anthologie „Aus Mangel an Beweisen“. Beide unterhalten sich leidenschaftlich und gern kontroVERS – so auch an diesem Abend.

Der Dichter und Poesie-Performer Urs Allemann schaut genau und voller Zweifel auf die Sprache und empfindet mitunter „ein ganz starkes Derealisierungsgefühl“.  Und zwar immer dann, wenn Sprache zu instrumentellen Zwecken dienstbar gemacht und zur Verbreitung wohlfeiler „Statements“ genutzt wird, so wie es tagtäglich in Politik oder Wirtschaft geschieht. Sobald sich also eine solche „Behauptung“ einstellt, muss es der Dichter unterlaufen, dementieren, durch poetische Störmanöver in Frage stellen. Wie liest sich das im Gedicht, was hat das für Konsequenzen für das Schreiben?

Der Lyrikkritiker Michael Braun gilt als einer der intensivsten Kenner der deutschsprachigen Dichtung. Er hat zahlreiche Anthologien herausgegeben, arbeitet in renommieren Jurys und als Moderator großer Lyrikfestivals. Lyrik ist für ihn keine romantisch verklärte Sache nach einem ergreifenden  Sonnenuntergang. Lyrik ist mehr,  sie kann im besten Fall über die Sprache und ihren Gebrauch in einer Gesellschaft aufklären, sie kann wacher und sensibler machen. Der österreichische Dichter Ernst Jandl fasste kurz und knapp zusammen: „Die Rache der Sprache ist das Gedicht.“

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