3. August 2019 – 19 Uhr | Ludwig Fischer: Natur im Sinn + Brennnesseln

Ein alter Spruch besagt: Wenn die Menschen wüssten, wie wertvoll die Brennnessel ist, dann wäre sie längst ausgerottet. Der Literaturprofessor und Kräuterexperte Ludwig Fischer hat mit „Brennnesseln“ ein Buch geschrieben, das eine erstaunliche Natur- und Kulturgeschichte dieser als Unkraut verachteten und gemiedenen Pflanze erzählt: Weshalb Jeanne d’Arc in einem Nesselgewand zur Hinrichtung gekarrt wurde; dass man Nesselfasern heute in den Innenauskleidungen von Autos wiederfinden kann; wie die ›Donnernessel‹ den Göttern verbunden war; dass Brennnesseln, unter Obstbäume gepflanzt, den Ertrag steigern und ihre Samen schon in der Antike als Aphrodisiakum galten….

»Als ich dieses Buch ›Brennnesseln‹ von Anfang bis Ende mit Feuereifer durchgelesen hatte, tat es mir nachträglich um jede Brennnessel leid, die ich in meinem Leben gejätet habe.« (Annemarie Stoltenberg, NDR Kultur)

»… ein adrettes und fadengeheftetes Sträußchen aus germanischen Legenden und römischen Mythen, Bauernregeln und Sprichwörtern, Bibelstellen, Gedichten und Poesiealbenprosa einschließlich literaturgeschichtlicher Irrtümer. Selbst Heiner Müller verwechselte das gar nicht so kratzige Nesselhemd mit dem verfluchten Nessushemd. Ein sehr lobenswerter Einstieg für Neubotaniker.« (Sabine Vogel, vogelperspektive)

Als Bonus bringt Ludwig Fischer sein soeben erschienenes Buch „Natur im Sinn – Naturwahrnehmung und Literatur“ mit. Eine längst fällige, programmatische Schrift über die Grundlagen der literarischen Vergegenwärtigung von Natur. In den USA und in Großbritannien gibt es mit den Werken des Nature Writing eine lange Tradition der literarischen Ausarbeitung von Naturwahrnehmung (u.a. Henry David Thoreau: Walden). In Deutschland brach eine vergleichbare Linie nach dem großen Vorbild Alexander von Humboldt jäh ab. Ludwig Fischer benennt die ›Protestenergie‹, die so viele Texte des Nature Writing durchzieht – eine fundamentale, glänzend geschriebene Auseinandersetzung mit Kernfragen unseres Naturverhältnisses im Zeitalter des Anthropozäns.

LUDWIG FISCHER, geboren 1939 in Leipzig, emeritierter Professor für Neuere deutsche Literatur und Medienkultur an der Universität Hamburg. Er ist Landschafts- und Naturtheoretiker, Schriftsteller, Gärtner, Kräuterexperte.

(Eine gemeinsame Veranstaltung mit dem UNESCO-Club Joachimsthal)