7. Dezember 2019 – 19 Uhr | Klaus-Jürgen Liedtke: Nachkrieg + Volker Koepp: Wiederkehr

Nachkrieg und die Trümmer von Ostpreußen. Roman aus Dokumenten

Krieg, Flucht, Vertreibung, Ostpreußen und Westdeutschland – „Nachkrieg“ ist ein anderes „Echolot“ deutscher Geschichte. „Nachkrieg“ ist ein Roman, der sich aus den Resten einer untergegangenen Welt, eines Dorfes, einer Landschaft zusammensetzt, gefunden von einem Stimmensammler auf verschlungenen Spuren, einem Protokollanten des Vergangenen. Aus Tagebuchaufzeichnungen zweier Onkel, die bei Kriegsende umkamen, aus Briefen, Erzählungen, Reisenotizen und essayistischen Reflexionen setzt Klaus-Jürgen Liedtke dieses detailgenaue Panorama zusammen.

„Der erste Satz dieses bemerkenswert unordentlichen Buches: ‚Ich komme aus diesen Trümmern.‘ Es sind nicht nur die Trümmer Ostpreußens … Es sind die Trümmer der Erinnerung und Erzählungen, die zwar einen ‚Chor der Stimmen‘ bilden, nie aber einen harmonischen, gleichklingenden. Die Trümmermusik, die bleibt, so zitiert dieses Buch die Dichterin Herta Müller, ist ‚eine Musik der Trostlosigkeit, die Halt gibt auf schmalstem Grat‘. … Ob es für ihn so etwas wie Heimat überhaupt gebe, wird Liedtke einmal gefragt: ‚Ich denke, eher nicht. Aber so etwas wie Identität, wie Zugehörigkeit.‘ Diese jedoch gibt es nicht als Besitz, sondern in Trümmern.“ (Berliner Zeitung)

Es ist ein Buch über „die ‚Ortlosigkeit“ einer globalen Welt, und es weiß dabei um den schmalen politischen Grat, auf den es sich begibt. (…) Allein die Namen der Ortschaften (Kermuschienen, Riesenkirch, Beynuhnen) erzeugen einen Sog, wie bei Johannes Bobrowski, auch einem Ostpreußen. Und mit den erzählten Personen (Fritz von Farenheid, Otto Krüger, Alfred und Helmut Steinke) geht man als Leser zusehends eine eigene Verwandtschaft ein. Die Literatur als Heimat, davon handelt dieses Buch.“ (Frankfurter Rundschau)

Wiederkehr
(Dokumentarfilm/ 2017/ 70 Minuten)
 

KLAUS-JÜRGEN LIEDTKE, geboren 1950 in Enge/Südtondern (Schleswig), studierte Skandinavistik, Germanistik und Amerikanistik in Kiel, Uppsala, Berlin und Turku, lebt seit 1974 als freier Schriftsteller und Übersetzer aus dem Schwedischen in Berlin. 2005 wurde er mit dem Paul-Celan-Preis und 2008 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

VOLKER KOEPP feierte in diesem Juni seinen 75. Geburtstag. In Stettin (Szczecin) geboren, wuchs er in Berlin auf, studierte in Dresden Maschinenbau und anschließend von 1965 bis 1969 Regie an der Deutschen Hochschule für Filmkunst in Potsdam-Babelsberg. 1970-90 arbeitete er im DEFA-Studio für Dokumentarfilme. Kontinuierlich bis heute zeigen Volker Koepps Filme Menschen in ‚ihrer‘ Landschaft und umkreisen den Begriff Heimat. Sie führen ihn in die Prignitz, ins Erzgebirge, ins Oderbruch, in die Uckermark und an das Baltische Meer. Volker Koepp lebt in Berlin und in der Uckermark.