2. November 2019 – 19 Uhr | Ginka Steinwachs – Geburtstagslesung „7 x 11 oder 11 x 7 Jahre lebendiges Leben: die goldene Schreibmaschine“

Foto: Kristina Jentzsch

Gemeinsame Veranstaltung mit dem Haus für Poesie Berlin

„Aus diesem Bleistift, der genausogut ein Luftballon sein könnte, ersieht man wieder: meine Literatur hat unbezwinglich die Tendenz zu fliegen.“ Das meint die unwiderstehliche Literaturperformerin und Wortakrobatin Ginka Steinwachs. Und sie hat durchaus recht mit ihrer Behauptung. Ihre Worte fliegen dem Sinn davon und dem Unsinn nicht unbedingt entgegen, sie sind sinnlich betörend und bereiten diebisches Vergnügen beim Zuhören. „Noch eine Stunde: dann wieder in der Reihenfolge der Folge: Lampe Dusa, Lampe Diva, Lampe Dandy, Lampe Dante!“ Der Literaturkritiker Martin Lüdke schrieb: „Es gibt bis heute keine einleuchtende Erklärung dafür, warum auch alle totalitären Systeme von Stalin über die Nazis bis hin zu den griechischen Obristen und den Spießern der SED stets zu Beginn ihrer Herrschaft solche Literatur ausnahmslos zu verbieten suchten.“ Ginka Steinwachs, die sich lange Zeit in Paris aufhielt, kommt nicht von ungefähr vom Surrealismus, den sie nicht nur praktisch sondern auch theoretisch studierte, sie wurde mit einer der ersten lesenswerten deutschen Analysen der französischen Surrealisten, mit einer Arbeit zu André Breton promoviert.

„die Fee der deutschen Sprache“ (Verena Auffermann)

„Kaum eine zeitgenössische Schriftstellerin schreibt mit kühnerem Kunstrisiko und appelliert mit ihren Texten so sehr an die Assoziationskraft ihrer Leserschaft wie Ginka Steinwachs. Sie … dreht und verdreht auf Schwindel erregende Weise den Sinn von Wörtern, um lustvoll Sprachgrenzen durchlässig zu machen.“ (Torsten Flüh, Kritisches Lexikon der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur)

 

Ginka Steinwachs, geboren 31. Oktober 1942 in Göttingen. Studium Philosophie, vergleichende Literaturwissenschaften und Religionswissenschaft in München, Berlin und Paris. Promotion an der FU mit einer Arbeit über André Breton zum Doktor der Philosophie. Lehrbeauftragte an Universitäten und Hochschulen in Paris, München, Berlin und Zürich. Seit 1974  freie Schriftstellerin, seit 1982  Performerin eigener Texte. Regieassistentin an einem Theater in Barcelona, Gastprofessur für Poetik an der Universität Hamburg, Dozentur an der Wiener Schule für Dichtung; 1999 Writer in Residence am University College in Dublin.  Ihr literarisches Werk steht unter dem Einfluss des klassischen Surrealismus, jener Bewegung, mit der sie sich auch als Literaturwissenschaftlerin beschäftigte. In ihren Romanen, Theaterstücken, Hörspielen und Performances setzt sie surrealistische Techniken ein. Ginka Steinwachs lebt in Berlin und auf Mallorca.