Dass der äthiopische Kaiser Theodoros im Jahr 1855 gekrönt wurde und sich dreizehn Jahre später angesichts der drohenden Gefangennahme durch die britische Kolonialmacht erschoss, ist historisch belegt. Doch der immense Rest des Romans besteht aus Mircea Cărtărescus Phantasie. Sein Buch erzählt von einer Welt voller Edelsteine, Schleier und Waffen. Und das alles in der faszinierend bunten Bildprache des orthodoxen Christentums: „Die Handlung wird von oben betrachtet, von den Erzengeln. Sie erzählen die Geschichte dieses Theodoros für das Jüngste Gericht. Dann wird Gott als der große Leser entscheiden, ob Theodoros zur Hölle fährt oder in den Himmel kommt.“ Hier, bei Cărtărescu, hat das Jüngste Gericht natürlich ein konkretes Datum, es findet am 4. Februar 2041 statt.
„Theodoros“ ist mehr als ein historischer Abenteuerroman, er umfaßt ebenso Philosophie, Märchen und Mythos. Mehr als vier Jahrzehnte schrieb Mircea Cărtărescu an diesem faszinierenden, überbordenden Buch. Dabei ließ er sich vom magischen Realismus der großen lateinamerikanischen Schriftsteller Joge Luis Borges und Gabriel Gárcia Márquez inspirieren.
Ernest Wichner, Übersetzer und selbst Autor, hat dieses sprachgewaltige, faszinierende Buches des rumänischen Autors brilliant übersetzt. Er stellt es in Lesung und Gespräch vor und führt uns durch das Labyrinth dieses unglaublichen Romans.
Das Buch wurde international begeistert aufgenommen, vom Lesevergnügen berichtet hier eine kleine Auswahl an Stimmen::
„Ein Werk ohnegleichen, darauf angelegt, den Leser schwindlig zu erzählen, seine Sinne zu verrücken und seine Vorstellung von der realen Welt mit phantastischen Begebenheiten aus den Angeln zu heben. Geradezu betäubend ist die (von Ernest Wichner brillant übersetzte) purpurne Sprachgewalt Cărtărescus, der seine imaginäre Romanwelt mit biblischen Wendungen veredelt und mit sinnlicher Opulenz und magisch-realistischer Phantasie derart ausschmückt, dass man sie nicht nur liest, sondern sie plastisch vor sich sieht, sie spürt, hört, schmeckt und riecht.“
(Sigrid Löffler, Berliner Zeitung)
„Kunstvoll verschmilzt Cărtărescu Splattermomente und biblisch anmutende Szenen, Trash und literarische Anspielungen auf Dante oder Joyce und ebenso Ironie und hohen Ton … Das Beeindruckende jedoch ist: Trotz seines Spiels mit der Romanform gelingt Cărtărescu zugleich eine Studie darüber, wie jemand mit hoffnungsvollen Anfängen zum blutrünstigen Despoten wird. Auch in seinen Schilderungen der Exzesse des Krieges ist der Roman ganz gegenwärtig. Das macht dieses Buch voller ‚wahrer und gezinkter Wunder‘ zu einem großen.“
(Nico Bleutge, FAZ)
„Cărtărescu ist einer der größten lebenden Schriftsteller. Seine Literatur schafft eine neue Art, die Kunst des Romans zu verstehen und fügt dem Akt des Schreibens und Lesens neue philosophische und ästhetische Dimensionen hinzu. Seine Originalität ist absolut … Er ähnelt nichts und niemandem.“ (ABC Cultural, Spanien)
„Schulter an Schulter steht er mit Jorge Luis Borges.“
(Paul Jandl, NZZ, Schweiz)
„Ein mythischer und ganz gegenwärtiger Historienroman, zudem ein barock überschäumendes, sprachliches Glanzstück – dem Übersetzer Ernest Wichner sollte man dafür alle Übersetzerpreise zuerkennen, die sich finden lassen.“ (WDR3)
„Mehr denn je hat Mircea Cărtărescu, einer der besten Schriftsteller der Gegenwart, den Nobelpreis verdient.“
(Le Nouvel Observateur, Frankreich)
„Cărtărescu lässt sich vom Schicksal Theodoros II. zu einem monströsen Roman inspirieren, ein literarisches Ereignis, eine Geschichte, deren ungewöhnliche erzählerische Kraft an die der großen, alten und modernen, Erzähler anknüpft … In diesem Roman schwebt der Leser. Er wird von einem köstlichen und berauschenden Schwindel ergriffen, einem Gefühl der Freiheit, wie in der Kindheit, als er sich vorstellte, fliegen zu können.“
(Le Temps, Schweiz)
„Für ‚Theodoros‘ hat Cărtărescu eine Kunstsprache erfunden, die gleichzeitig schwelgt und nachdenkt. Eine Sprache, die Flügel hat und über die Schwerkraft lacht. Eine Sprache, die nicht nur große Abenteuer erzählt, sondern selbst ein großes Abenteuer ist.“
(Ö1, Österreich)
„Literatur auf dieser Stufe ist Vollendung, ist Magie. Lesen Sie dieses Meisterwerk, sie werden das Gefühl haben, die Wahrheit der Welt mit dem Finger zu berühren.“ (Le Monde, Frankreich)

Mircea Cărtărescu wurde 1956 in Bukarest geboren und lebt in seiner Heimatstadt. Seit 1978 veröffentlicht er Lyrik und Prosa, sein Werk wird in vielen Sprachen übersetzt. Preise u.a.: International Dublin Literary Award, Thomas-Mann-Preis, Leipziger Buchpreis für Europäische Verständigung, Österreichischer Staatspreis für Europäische Literatur. Auf Deutsch erschienen zuletzt der Roman »Theodoros« (2024) und die Erzählungen »Melancolia« (2022).

ERNEST WICHNER, geboren 1952 in Guttenbrunn (Banat/Rumänien), lebt seit 1975 in Deutschland, seit 1976 in Berlin, wo er Germanistik und Politologie studierte. Ab 1988 war er für das Literaturhaus Berlin tätig, zwischen 2003 und 2017 als dessen Leiter. Ernest Wichner ist Autor von Gedichtbänden und Erzählungen, Herausgeber und Übersetzer, vor allem aus dem Rumänischen. 2020 wurde er mit dem Johann-Heinrich-Voß-Preis ausgezeichnet.
