Seit über dreißig Jahren betrachtet der Westen den Osten. Als Gast im Westen beschreibt Ingo Schulze, dass die Wirklichkeit immer jener Ort ist, der jenseits der Erwartung liegt.
Ein halbes Jahr verbrachte Ingo Schulze von Oktober 2022 bis März 2023 im Ruhrgebiet als »Gast im Westen«. Was ihn interessierte? »Einen Plan hatte ich nicht. Und erst allmählich begann ich meine ›Methode‹ zu erkennen: Wenn mich jemand einlud, bin ich hingegangen. Es gibt wohl kaum ein unsystematischeres Vorgehen. Aber jeder Plan wäre mir nicht weniger willkürlich erschienen.«
So entstanden ganz unterschiedliche Betrachtungen, Porträts, Reportagen – eine Grundschule, in der die Musik die Rolle der Sprache übernimmt, weil zu wenige Kinder Deutsch sprechen; ein Stadionbesuch mit einem Polizeipräsidenten a. D., der nicht mehr das Wort „24. August | 18 Uhr : Ingo Schulze „Zu Gast im Westen““ weiterlesen
13. Juli | 19 Uhr : Martin Gross + Karl Schlögel „Ein Winter in Jakuschevsk“
Der Journalist und Germanist Martin Gross versuchte über viele Jahre hinweg, Kooperationen zwischen Universitäten in der EU und Russland anzubahnen. Er knüpfte Kontakte und organisierte Austauschs- wie Besuchsprogramme. In seinem aktuellen Roman „Ein Winter in Jakuschevsk“ berichtet er über das Scheitern seiner Projekte. Das Buch wurde durch den russischen Überfall auf die Ukraine in tragischer Weise zu einem Buch der Stunde. Teilnehmend und mitfühlend schildert Martin Gross den sibirischen Alltag der krisengeplagten Bevölkerung, die sich immer wieder durchbeißt, Notlösungen organisiert, Kränkungen einsteckt, Ansprüche und Träume aufgeben muss. Er erzählt von Verzweiflung und Galgenhumor, von Offenheit und Argwohn – und von der Liebe, die ihn auch in Sibirien findet. Aus der politisch scheiternden Ost-West-Partnerschaft wächst eine tiefe Zuneigung zu den Menschen, die ihn begleiten. Eine Mitmenschlichkeit, wie wir sie in den aktuellen Zeiten der Grausamkeit so dringend benötigen, um nicht der Blindheit des Krieges und „13. Juli | 19 Uhr : Martin Gross + Karl Schlögel „Ein Winter in Jakuschevsk““ weiterlesen
16. Juni (Sonntag!) | ab 14 Uhr : BLOOMSDAY in der Uckermark
Wir feiern das 120. Jubiläum des vom irischen Autor James Joyce in seinem weltberühmten Roman Ulysses beschriebenen Tages im Jahr 1904, an dem sein Held Leopold Bloom von 8 Uhr morgens bis nach Mitternacht durch Dublin zog und allerhand dachte und erlebte / und das 70. Jubiläum des ersten in Irland gefeierten Bloomsdays durch die Autoren Patrick Kavanagh, John Ryan und Flann O’Brien
14 Uhr : Uckermärkischer BLOOMSDAY-LUNCH á la Joyce
Gorgonzola-Sandwiches “the feety savour of green cheese” & Burgunder-Rotwein “mild fire of wine” (Uckermärkischen Kaffee gibts auch)
15 Uhr : JÜRGEN SCHNEIDER (Düsseldorf) : „Ulysses – ‚ein irischer Bulle in einem englischen Porzellanladen'“ / UTA BAATZ (Düsseldorf) liest aus Ulysses
Jürgen Schneider begleitet und führt uns durch den längsten Tag der Weltliteratur. In seiner revolutionären Zeitkapsel Ulysses beschäftigt sich James Joyce mit dem kolonialen Nationalstaat, der kapitalistischen Ökonomie und Problemen von Klasse, Herkunft, Gender, Sexualität und Glauben. Was nicht die Hauptfigur Leopold Bloom in ihren Gedanken äußert, gestaltet Joyce sprachlich. Er sprengt die englische Sprache mit episodenweiser Sprachstilisierung und wechselnden Erzählperspektiven auf und verweist so auf den irischen Kampf gegen die britische kulturelle Hegemonie .
16 Uhr: LIAM MAC CÓIL (Rath Chairn, Co. Meath, Irland):
„Ulysses und Choice“ – der Ulysses aus der Perspektive eines Irish Speakers
Liam Mac Cóil erzählt, wie Joyce Irland verliess, er selbst dagegen siebzig Jahre später immer tiefer in die irische Sprache und Kultur eintauchte, um Schriftsteller zu werden. „Wie Joyce wuchs ich in einer englischsprechenden, römisch-katholischen, weitgehend nationalistischen Familie im Suburbia Dublins auf. Doch im Gegensatz zu Joyce hatte ich das Glück, Irisch, das Teil des Curriculums war, in der Schule lernen zu können und zudem noch gute Lehrer zu haben.“ Joyce hatte sich von Irland losgesagt und es verlassen, „wie es schien im Dienst der Kunst und der Schönheit“. Mac Cóil dagegen reiste „16. Juni (Sonntag!) | ab 14 Uhr : BLOOMSDAY in der Uckermark“ weiterlesen
V E R S C H O B E N ! 4. Mai | 19 Uhr : Gunvor Hofmo „Du bist mein Schatten“ – vorgestllt von Tone Avenstroup und Stefan Döring

Leider müssen wir die Buchpremiere verschieben. Das Buch kann aus verlagstechnischen Gründen zur Zeit nicht erscheinen. Die neue Buchpremiere wird rechtzeitig bekanntgegeben.
Gunvor Hofmo (1921-1995) „Du bist mein Schatten“, Gedichte, aus dem Norwegischen von Klaus Anders, Tone Avenstroup und Stefan Döring – vorgestellt von Tone Avenstroup und Stefan Döring (Edition Rugerup, BUCHPREMIERE)
Die „Sängerin der Finsternis“ hat man Gunvor Hofmo genannt, im Mittelpunkt ihrer Poesie stehen mit beispielloser Konsequenz Leid, Trauer und Heimatlosigkeit des Menschen in einer schmerzvollen Existenz … Es sind Schrecken und Tod während des Zweiten Weltkriegs, aus denen Hofmos Gedichte mit ihrer Klage und ihrem Fluch hervorgehen: „Gott, wenn du noch siehst:/ Es gibt kein alltägliches Leben mehr,/ Es gibt nur stumme Schreie,/ Es gibt nur schwarze Leichen,/ die in roten Bäumen hängen…“.
Gunvor Hofmos Werk wird mit dem von Henrik Wergeland, Edvard Munch oder Kristofer Uppdal verglichen. Unter den weiblichen Dichtern muss man schon ins Ausland gehen, um jemanden Vergleichbares zu finden. „Man sollte sie in eine Reihe mit Edith Södergran und Emily Dickinson stellen“, meint der „V E R S C H O B E N ! 4. Mai | 19 Uhr : Gunvor Hofmo „Du bist mein Schatten“ – vorgestllt von Tone Avenstroup und Stefan Döring“ weiterlesen
6. April | 19 Uhr : Ottilie von Goethe. Zeugnisse eines Lebens – vorgestellt von Ulrich Janetzki
Ottilie von Goethe (1796-1872) wurde durch die Bezeichnung »Goethes Schwiegertochter« eher diffamiert als gewürdigt. Für Forschung und Öffentlichkeit galt sie einzig als Goethes »Vorzimmerdame«. Darstellungen ihres Lebens brachen mit Goethes Tod ab, dabei war sie eine unkonventionelle und selbstbewusste Frau mit einer eigenen Biografie, die Goethe um 40 Jahre überlebte.
Ulrich Janetzki stellt sein Buch „Ottilie von Goethe. Zeugnisse eines Lebens“ vor und gibt endlich der ganzen Ottilie Raum. In diesem Buch spricht sie selbst, eingebettet in das Sittengemälde ihrer Zeit. Sie war Literaturvermittlerin, Herausgeberin, „6. April | 19 Uhr : Ottilie von Goethe. Zeugnisse eines Lebens – vorgestellt von Ulrich Janetzki“ weiterlesen
9. März | 19 Uhr : Andreas Rötzer (Matthes & Seitz Berlin) stellt Neuerscheinungen zur Buchmesse vor
Frühjahr ist Buchmessezeit!
Die Leipziger Buchmesse (21.- 24.3) wirft ihre Schatten, oder besser noch, schickt massernhaft Bücherstapel voraus. Es ist nun schon eine gute Tradition der Warnitzer Lesungen, dass wir eine Auswahl jener Neuerscheinungen vorstellen, die nur wenige Tage später in den Leipziger Messehallen das Messepublikum anziehen: Der Berliner Verleger Andreas Rötzer bringt wie in jedem Bücherfrühling eine spezielle Auswahl neuer und rechtzeitig zur Messe fertiggestellter Bücher aus seinem Verlag Matthes & Seitz Berlin mit. Schwierig für ihn zu entscheiden, welche Bücher er n i c h t in den Warnitzer Koffer packt. Denn ein Abend ist einfach zu kurz für ein volles Verlagsprogramm.
Auf seinem Büchertisch kann man nach der Veranstaltung all jene Bücher erwerben, die so druckfrisch sind, dass sie noch nicht ihren Weg bis in den Buchhandel gefunden haben.
Spannende Themen, bekannte wie noch unbekannte großartige Autoren, politisch Brisantes, aufregend Historisches, erschütternd Aktuelles – Kostproben aus einem beeindruckenden Verlagsprogramm. Es geht um Facebook-Gesellschaften, eine Liebe im China des 20. Jahrhunderts, Überleben im multiethnischen Kaukasus, das moderne Leben der Tiere, Naturallianzen und Perspektiven für ein verändertes Naturverhältnis, Kriege im Kopf, schlaue Ratten, Worte eines Yanomami-Schamanen, den Fluch der Muskatnuss als Gleichnis für einen Planeten in Aufruhr, die Terroranschläge von Paris, Zwischenzeiten, Räuber vom Liang-Schan-Moor, den Großen Gopnik, unsere Dritte Natur und nicht zuletzt um den raffiniertesten lateinamerikanischen Autor der Gegenwart, der gerade seinen 75. Geburtstag gefeiert hat.
Mehr verraten wir hier aber noch nicht.
(Für Allzuneugierige und Ungeduldige: www.matthes-seitz-berlin.de)