11. April 2026 | 19 Uhr: Wir sind Biosphäre. Ein Abend für unsere Landschaft.

Mit prominenten Gästen.

Wir lesen aus der aktuellen Schutzverordnung des UNESCO-Biosphärenreservates und beantworten anschließend Publikumsfragen.

Die Landschaft im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin ist von außerordentlicher Schönheit. Entstanden nach der letzten Eiszeit in Europa, wurde sie über Jahrtausende hinweg durch die Hand des Menschen geformt und verändert. Stets dünne Besiedlung, schwierige Wirtschaftsbedingungen und der Widerstand der weiträumig wilden Natur erlaubten die Veränderungen durch den Menschen nur in Anpassung an die vorhandenen Bedingungen. Unsere Vorfahren schufen eine charaktervolle Kulturlandschaft von historisch einmaligem Wert, mit noch immer viel Raum für eine überaus reiche Tier- und Pflanzenwelt.
Das war es der UNESCO wert, ihr Gütesiegel dafür zu geben. Unser Biosphärenreservat ist Teil des Programms der UNESCO „Man and Biosphere“. Dieses schützt Gebiete, in denen Menschen einvernehmlich und modellhaft mit den natürlichen Gegebenheiten leben und wirtschaften. Weltweit gibt es in 140 Staaten 784 solche Gebiete – wir gehören dazu.
Daß dies möglich wurde, ist neben vielen weitsichtigen Naturschützern der politischen Wendezeit auch dem Willen der damaligen in Verantwortung stehenden Politiker zu verdanken. 
Sie haben mit einer ausführlichen Verordnung, die durch Übernahme in den Einigungsvertrag auch Gültigkeit unter bundesdeutschen Bedingungen besitzt, für dauerhaften Schutz gesorgt. Damit bleibt die Landschaft erhalten und ihre natur- und sozialverträgliche, nachhaltige Nutzung wurde gesichert.

Warum gibt es jetzt Grund zur Sorge?
Mit dem politischen Wandel hat sich über die Jahre auch der politische Wille zu Erhalt, Entwicklung und Förderung des Biosphärenreservates verändert. Nicht mehr Nachhaltigkeit und Behutsamkeit im Umgang mit ererbten Werten, sondern erleichterter Zugriff auf alles zur Verfügung Stehende ist die gegenwärtige Maxime der Bundes- und Landespolitik. Naturschutz soll durch eine neue Gesetzgebung nachrangig werden. Bisher war das Biosphärenreservat, das sind etwa 1.300 km², mit seiner wertvollen historischen Kulturlandschaft zu 78% durch die Schutzverordnung vor Zersiedlung und weiteren Flächenverbrauch geschützt. Das soll jetzt geändert und das Schutzgebiet zu gleichen Bedingungen wie in ganz Brandenburg genutzt werden. Ein erster Schritt dazu bildete das „Verwaltungs-Vereinfachungsgesetz“ vom Juli 2025. Es ermöglicht Bauvorhaben, die 300 m über bisherige Siedlungsränder hinausgehen, und die Umwidmung von Bauernland in Gebiete für Windrädern und Freiflächen-Voltaikanlagen.
Im Sinn des Biosphärenreservates und der UNESCO-Richtlinien wäre es dagegen notwendig, seine einmalige Landschaft außerhalb der Ortschaften von Bebauung und großflächigen Anlagen freizuhalten und stattdessen die Gewinnung erneuerbarer Energie auf Dächern und Parkplätzen zu fördern. Auch die Erhaltung und Pflege von Pflasterstraßen, einem inzwischen seltenen kulturellen Erbe, schrieb die bisherige Schutzverordnung fest. Ihr Erhalt sollte eher durch ein spezielles Förderprogramm gesichert werden, stattdessen könnte ihr Schutzstatus „aus Kostengründen“ jetzt ebenfalls aufgehoben werden.

Was können wir nun tun?
Diesen Ausverkauf der über Jahrhunderte entstandenen, gepflegten und Identität stiftenden Werte für kurzfristigen Gewinn einiger Weniger wollen Viele nicht hinnehmen. Eine Bürgerinitiative hat sich gegründet, die alle Hintergründe und Motive für das Vorgehen von Politik und Behörden beleuchtet und Klarheit in die Vorgänge bringt. Eine Petition ist verfasst und wird dem Landesparlament vorgetragen.
Sie macht deutlich, dass es hier nicht um Fortschritt und Entwicklung geht, sondern dass ein historischer Wert, eine weltweit geschätzte und geschützte Landschaft, in Gefahr gebracht wird durch die Kurzsichtigkeit der politisch Handelnden.

„Landschaft, insbesondere hochwertige, intakte ist nicht vermehrbar. Tun wir alles, um sie zu erhalten, den Fortbestand ihrer Schönheit, Nützlichkeit und Lebensfülle zu sichern. Sie ist ein immer knapper werdendes Gut, dessen Wert für Mensch und Natur weiter steigen wird!“
Prof. Dr. Michael Succow, 2011

Näheres zur Bürgerinitiative, zur Petition und zu eigenen Handlungsmöglichkeiten unter : www.wir-sind-biosphaere.de

 

 

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